Weihnachten bei Neumanns

Wie wird man einer strengen Filmregisseurin (Carla Graf) gerecht. Ständig hatte sie etwas zu mäkeln, eine Baskenmütze auf dem Kopf und das Drehbuch in der Hand. Dabei war die Aufgabe recht einfach: In einem Film sollte der ganz normale Ablauf am Heiligabend in einer ganz normalen Familie dargestellt werden. Alles spielte unter dem Titel „Weihnachten bei Neumanns“, einer Holzdorfer Familie. Allerdings: Ähnlichkeiten mit lebenden Personen wären wirklich rein zufällig und nicht beabsichtigt gewesen. Sieben Szenen mussten immer wieder gedreht, verworfen und neu aufgenommen werden. Bis schließlich alles im „Kasten“ war.
Erleben konnte man den ganzen Trubel an der Heideschule in Holzdorf. Voller Spannung und hautnah verfolgten zahlreiche Gäste, darunter Sponsoren und Freunde der Fördereinrichtung, das Geschehen. Lachsalven waren bei jeder Szene vorprogrammiert. Die Akteure, Mädchen und Jungen aus allen Klassenstufen (siehe „Förderung und Berufsorientierung“), zogen alle Register ihres schauspielerischen Talents. Die ständig hungrige Oma (Heideschul-Mitarbeiterin Carmen Böttcher), drei Kinder sowie Mutter und Vater warteten auf den Weihnachtsmann mit den Geschenken. Der kam dann auch und verteilte seine Gaben. Gemeinsam wurde gesungen, ehe es ans Auspacken ging. „Zu lahm, zu langweilig, mehr Action“, verwarf die Regisseurin den ersten Part.

 

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In Rapper und Punker verwandelt
Mehr Action? Die sollte sie haben! Der Vorhang ging wieder auf und die Bescherung verlief in kürzester Zeit in Panik und Hektik. Der Alte schmiss die Geschenke kurz auf den Tisch und flüchtete. „Viel zu hektisch, mehr Gefühl reinlegen“, kritisierte die Regie auch diese Variante. Die nächste Sequenz konnte deshalb einfach nur zu schmalzig sein. „Warte, der werden wir’s zeigen“, sagten sich die Neumanns und verwandelten sich in Rapper und Punker. Selbst der Weihnachtsmann war keiner mehr. Die Kinder begrüßten ihn als „unseren Ober-Guru“. Alle fanden, diese Neumann-Szene sei einfach nur cool gewesen. Aber nicht die Regisseurin: „Das ist doch finsterster subkultureller Untergrund. Feiert denn so eine deutsche Familie den Heiligabend? Das Gefühl, die Rührung und so weiter, das ist wichtig.“
Herzzerreißend der nächste Auftritt. Alle heulten, schluchzten und wischten sich pausenlos die Tränen aus den Augen. Dem Alten ging es nicht anders, als er ein klitzekleines Päckchen für alle auf den Gabentisch legte. Und für die Oma das Allerschlimmste: Statt Entenbraten hatte es nur für schnöde Bratwürste gereicht.

 

Selbst gebackene Plätzchen und Stolle
Endlich, die siebente und letzte Szene gelang! „Ihr wart Spitze, so feiern Neumanns wirklich“, lobte die Regie. Aber wie immer gibt es Spielverderber. Der Kameramann kam angeschlichen. Kleinlaut verkündete er die Hiobsbotschaft: „Ich habe vergessen, eine Kassette in die Kamera einzulegen.“
Es war also alles umsonst? Auf keinen Fall, alle Beteiligten und Gäste hatten ihren Spaß und konnten wieder einmal herzerfrischend lachen. Mit einer kleinen musikalischen Einlage verabschiedete sich die Komödianten-Truppe. Michel Pissor spielte ein Weihnachtslied auf der Gitarre, begleitet von seiner Musiklehrerin Daniela Kösterke. Sie ist die stellvertretende Leiterin der Heideschule. Anschließend gab es noch Kaffee sowie selbst gebackene Plätzchen und Stolle. Und am Basar entdeckte so mancher Gast noch ein kleines Weihnachtsgeschenk für die Heiligabend-Bescherung. Am Folgetag waren die Neumanns gleich noch einmal zu Gast in der Bildungseinrichtung. Sie spielen ihr Stück für Eltern und Angehörige der Heide-Schüler.

 

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