Jeder Tag eine neue Chance

„Bist du fröhlich, kannst du lachen und ganz schöne Dinge machen. Bist du fröhlich, dann mach mit und klatsch mit uns.“ So heißt es in einem der drei Lieder, welche die Unterstufe der Heideschule in Holzdorf-Ost, auf der Gitarre begleitet von Gabriela Kuster, gemeinsam mit ihren Mitschülern und den Gästen auf der Freilichtbühne im weitläufigen Garten sang. Den Anlass für diese mitreißende Aufforderung, fröhlich zu sein, lieferte die Ausschulung von vier Jugendlichen aus der Förderschule mit Schwerpunkt geistige Entwicklung.

 

b_absolventen_heideschuel_300616.jpg

 

Dass der Abschied von Marvin Jünemann, Michele Pissor, Sebastian Krüger und Vivien Wäsch - letztere hat nicht ihre gesamte Schulzeit in Holzdorf verbracht, sondern nur die letzten vier Monate - dann doch teilweise eine zu Tränen rührende Angelegenheit wurde, liegt in der Natur der Dinge.

 

b_holzdorf_schule_3_300616.jpg

 

„Ihr wart eine Bereicherung für die Werkenstufe, für die ganze Schule“, sagte Stephan Noack, stellvertretender Schulleiter, in seiner kurzen Rede und brach dabei in Tränen aus. „Immer fröhlich, immer gut drauf. Zumindest habe ich euch selten anders erlebt.“

Daniela Kösterke als Klassenleiterin der Werkenstufe bzw. Berufsschulstufe sprach von einem Abschied nach 13 Jahren. Und: „Die Schulzeit soll für euch ein Sprungbrett sein, kein Sofa, auf dem man sich ausruht... Gebt jedem Tag die Chance, der schönste in eurem Leben zu werden - es gibt noch so viel zu entdecken.“ An die Eltern gerichtet meinte die Pädagogin: „Vor 13 Jahren haben sie einen Teil der Erziehungsarbeit an die Schule abgegeben, nun bekommen sie sie zurück.“
Bevor die Ausschüler - wie es an der Heideschule seit einiger Zeit Tradition ist - jeweils einen Wanderstock als „Gehhilfe“ auf dem weiteren Lebensweg überreicht bekamen, erklärte Daniela Kösterke noch: „Wir durften erfahren, was alles in euch steckt - Respekt, Respekt!“
Zu den Abschiedsgeschenken für die Absolventen gehörten zudem jeweils zwei T-Shirts mit einem Foto ihrer Klasse sowie einmal dem eigenen Vornamen und einmal dem Namen der Schule. Auch ein Fotobuch wurde jedem Abgänger überreicht. Darin viele Erinnerungs-Schnappschüsse und ein bisschen Platz für die Bilder kommender Erlebnisse.

 

b_heideschule_abschluss_4_300616.jpg

 

Im Anschluss an den offiziellen Akt hatten alle Lehrer und Mitschüler Gelegenheit, sich persönlich von den Abgängern zu verabschieden. Bei dem großen „Drücken und Herzen“ flossen natürlich auch noch einmal Tränen.
Doch davon sollte sich niemand täuschen lassen, insgesamt war es ein sonnenbeschienener, schöner Tag. Dazu trugen auch die aufmunternden Gesänge bei. Neben dem bereits erwähnten „Bist du fröhlich“ erklangen „Bruder Jakob“ und „Hab ’ne Tante aus Marokko“. Beim letztgenanten Stück durfte sogar eifrig mitgestikuliert werden.

 

https://www.mz-web.de/jessen/heideschule-holzdorf-jeder-tag-eine-neue-chance-24315676

 

So hat die Holzdorfer Schule ihren Geburtstag gefeiert

Mit 25 ist man im besten Alter. Man hat bereits diverse Lebenserfahrungen gesammelt, fühlt sich fit für die nächsten Jahrzehnte, ist neugierig auf Kommendes. Da geht es einer Schule wohl nicht viel anders als jedem anderen, der 25 Jahre alt wird. In großer Feierstimmung war daher am Mittwoch die Holzdorfer Heideschule.

 

b_holzdorf_3_170616.jpg

 

Die Fördereinrichtung ist nämlich ein Vierteljahrhundert alt, fühlt sich jung und voller Power. Dieses Lebensgefühl war das Motto des Nachmittags, an dem man die große Geburtstagsparty mit dem traditionellen „Tag der offenen Tür“ verband.

 

Wochenlang vorbereitet

Selbstredend hatten vor allem die 43 Mädchen und Jungen, die aktuell die Einrichtung besuchen, diesem Tag besonders entgegengefiebert. Fast acht Wochen lang dauerten die Vorbereitungen. Da wurde gemeinsam mit Lehrern und Mitarbeitern überlegt, was man Eltern, Geschwistern und allen anderen präsentieren möchte. Wie soll das große Programm - Mittelpunkt des Tages - im Detail aussehen? Welche Stände werden aufgebaut? Wer kann bei der Durchführung helfen? Wie oft sollten alle die Aufführung proben?

 

 b_holzdorf_170616.jpg

 

Das Ergebnis überzeugte (mal wieder). Viele Helfer - darunter die Bundeswehr und Holzdorfer Vereine - unterstützten mit Spenden oder anderem. Die Gäste kamen voller Vorfreude und Neugier, und die Mädchen und Jungen verströmten eine Lebensfreude, die förmlich ansteckte. Da wurde gesungen (einer der Höhepunkte war der Rap des Chores), es wurde getanzt, gezaubert und vieles mehr. Damit sich Besucher nicht etwa „langweilen“, wurden einige von ihnen „spontan“ bei Spielrunden ins Geschehen im extra dafür aufgebauten Festzelt eingebunden.

 

Vielleicht doch das letzte Mal?

Der Landkreis Wittenberg plant einen Neubau der Holzdorfer Förderschule, jedoch nicht am alten Standort, sondern im Jessener Gewerbegebiet. Der daher anstehende Umzug spielt allerdings im Alltag der Schule offenbar nicht die große Rolle, wie Stephan Noack am Rande der Geburtstagsparty erzählte. „Ob wir heute das letzte Mal hier gefeiert haben oder das erst im nächsten Jahr oder später der Fall sein wird, hat für uns derzeit keine Bedeutung. Und wir haben deshalb bislang auch noch keine Koffer gepackt.“ Noack meint, „dass wir deshalb so gelassen sind, da wir es ja nicht entscheiden, wann in Jessen gebaut wird und wir umziehen. Diese Entscheidungen treffen andere, bislang gibt es keine konkreten Daten, wann was passiert. Also warten wir alles in Ruhe ab“. Man werde der Schule schon rechtzeitig den Umzugstermin mitteilen, dann wolle man ohne Hektik und Aufregung packen und das neue Haus in Jessen beziehen. „Wir werden weiter ganz normal den Schulalltag gestalten. Daher halten wir uns auch bewusst aus allen Diskussionen rund um den Neubau heraus“, so Noack. (mz/ar

 

Viel um die Ohren

Strahlende Augen und lachende Gesichter bei den Protagonisten und beste Laune unter den Gästen waren wohl die sicheren Zeichen, dass es allen Spaß machte. Stephan Noack, stellvertretender Schulleiter, machte bei einem Gespräch am Rande des bunten Treibens deutlich: „Die Kinder und 20 Mitarbeiter wollen heute allen zeigen, dass hier in Holzdorf ganz normal Schule gemacht wird. Denn auch in einer Förderschule geht es darum, viel für das Leben zu lernen, Spaß zu haben, individuelle Talente zu fördern. Also nichts anderes als in anderen Schulen bei uns im Landkreis.“

Nur bei einer Sache gab es wirklich einen ganz kleinen Wermutstropfen für Stephan Noack: „Ich hatte mit etwas mehr Gästen gerechnet. Aber ich weiß, dass beispielsweise die eingeladenen Schulleiter momentan mächtig viel um die Ohren haben, das Schuljahresende steht unmittelbar bevor.“ (mz)

 

https://www.mz-web.de/jessen/heideschule--so-hat-die-holzdorfer-schule-ihren-geburtstag-gefeiert-24248486




Datenschutzerklärung